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Pfarrer Rainer M. Schießler zu Gast im ACC Amberg

Amberg, 14.06.2024

„Ihr seid unersetzlich wichtig!“ war einer der eindringlichen Schlusssätze von Pfarrer Rainer Maria Schießler. Auch sein Appell: „Wir müssen viel und auch gerade mehr über uns selbst lachen“ war gelebte Realität des Abends, zu dem die Kommission „Medien“ im KDFB Regensburg eingeladen hatte. Einen übervollen Saal begrüßte im Namen des Diözesanverbands Kerstin Aufschneider und Martha Bauer schloss mit den Spenden der Einnahmen an den KDFB-Fonds „Frauen helfen Frauen in Not“ und an die Stiftung für sozial benachteiligte Kinder von Pfarrer R. M. Schießler.

In seiner einzigartigen glaubwürdigen und direkten Art und Weise wusste der Münchner Pfarrer auch die über 150 ZuhörerInnen im Amberger Congress Centrum zu begeistern. Eingeladen war er zur Vorstellung seines Buchs „Hoffnung – gerade jetzt – Von Mut getragen durch alle Lebenslagen“. Doch auf eine Lesung verzichtete der unkonventionelle Redner und begeisterte die meist weiblichen Zuhörerinnen mit vielen Beispielen.

Immer wieder plädierte er für eine Verantwortung aller Christen, die „zur Freiheit berufen“ sind. Glaube als echte Lebenshilfe habe er in seiner Erziehung hautnah erlebt, erfährt man, nicht zuletzt durch die gelebte Integration seiner Mutter in den Mütterverein. So sei er hineingewachsen in einen lebendigen und lebbaren Glauben. Besonders im Studium inspirierte ihn der Aufbruch im Zweiten Vatikanische Konzil. Leider sei jene damalige hoffnungsvolle Öffnung, jener „wehende Geist Gottes“, in vielen Teilen verschlafen worden, fährt er bedauernd fort. Allergisch reagiere er noch immer auf jeden „Klerikalismus“, der davon abhalte „wirklich wichtige und dringendst notwendige Dinge in der Kirche zu tun“.

 

Rainer Maria Schießler

Geb. 7. Oktober 1960 in München: römisch-katholischer Pfarrer, durch unkonventionelle Seelsorge und medienwirksame Aktionen „einer der bekanntesten Kirchenmänner“ in Bayern.
Seit 1993 Pfarrer in St. Maximilian in München (installiert 1995).
Von 2006 bis 2012 und wieder 2015 arbeitete R. M. Schießler jedes Jahr im Schottenhamel-Zelt beim Münchener Oktoberfestes als Bedienung; das verdiente Geld spendete er für einen wohltätigen Zweck.
Eigene Talkshow von Dezember 2012 bis 2015 beim Bayerischen Rundfunk.
Mit seinen teilweise provokanten Äußerungen erzeugt der Pfarrer öffentliches Aufsehen für sein Anliegen einer lebhaften und engagierten Kirche.
Ehrungen: „Bairische Sprachwurzel“, „Reiherorden“, 2023 der Bayerische Verfassungsorden
Bücher, u.a.: „Himmel, Herrgott, Sakrament. Auftreten statt austreten.“, „Jessas, Maria und Josef. Gott zwingt nicht, er begeistert.“, „Die Schießler-Bibel“. Mit Stephan Maria Alof: „Seid ihr noch zu retten?! Einfach mal machen und so Kirche verändern“.

Er plädierte für eine Weihe aller Getauften, die nicht biologisch sein dürfe, sondern in einem theologischen Prozess zur „Kirche in Bewegung“ führe. Noch gebe es leider offensichtlich immer eine „Angst vor Frauen“ in Führungskreisen der katholischen Kirche. Dabei hörten gerade diese, wie einst Jesus, den Einfachen und Kleinen mit ihren Sorgen und Nöten zu, was für eine lebendige Kirche überlebensnotwendig sei. Der Umgang gerade mit Fragenden und Bedürftigen und allen anderen am Rande sei doch „der ursprünglichste Auftrag des einen Gottes“. Mit dem Auszug aus Ägypten, der Präsenz des „Ich – bin – Da“, der Gerechtigkeit für alle fordere, hätte die Kirche einen wunderbaren fruchtbaren Acker, so R. M. Schießler.

Dieser Acker seien alle Gläubigen, die zudem Säende seien, ohne jede Ausgrenzung, un(be)rechnend, gelassen, mündig und selbstständig und schon immer Berufene. Er wolle absolut keine Ausgrenzung, betonte der Seelsorger, sondern eine „Einheit in Verschiedenheit“, zu der auch zölibatäre Priester gehören sollen. „Stellen Sie sich offen und großherzig Ihren Aufgaben“ fuhr er fort und „seien Sie da, wo Sie gebraucht werden“.

„Keine Straßenschlacht, sondern Toleranz“ sei noch immer aktuelles Gebot der Stunde, ein Sich-Mutig- Einlassen aufs Leben wollte er mit unzähligen, unmittelbar zugänglichen Beispielen vermitteln, die viel Zustimmung fanden. „Wir müssen nicht den Vatikan verändern, aber uns, und das mitten in dieser Diözese!“ forderte er die Zuhörenden auf und plädierte für viel mehr gelebte Ökumene allerorten.

„Nicht putschen, sondern puschen“ riet er den Frauen, dann würde man Menschen mit Christus in Berührung bringen und begreifen, dass Äußerlichkeiten oder Geschlechtlichkeit völlig unwichtig seien.

Viel Lachen, aufmerksames Zuhören und starker Applaus dankte dem Pfarrer für sein Engagement und seine Worte. Geduldig signierte Pfarrer Schießler noch erstandene Bücher, bevor er sich auf den Rückweg nach München machte.

Marianne Moosburger

 

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