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Sind Sie in der Kommunikation eher Wolf oder Giraffe?

von Christine Seufert

„Du bist immer so nervig!“, „Hör endlich auf, Dich immer in den Vordergrund zu stellen!“ „Wusste ich es doch, dass Dir das nicht passt!“…

Solche oder ähnliche Aussagen kennen viele von uns. Menschen erleben etwas in ihrem Miteinander und gehen dann konfrontativ auf den anderen zu: bewerten oder werten sogar ab, wollen, dass sich die andere verändert, interpretieren, fühlen sich im Recht, fordern. Nichts Ungewöhnliches – auch nicht in Frauenverbänden.

Marshall B. Rosenberg bezeichnet eine solche Art der Kommunikation als eine, die mit Gewalt ausgeübt wird. Anders ist die gewaltfreie Kommunikation, die von ihm entwickelt wurde. Ich finde das sehr spannend, besser auf die Kommunikation zu achten. Rosenberg verwendet für die beiden Typen in der Kommunikation die Metapher vom Wolf und der Giraffe.

  • Der Wolf in der Kommunikation anaylsiert, kritisiert, bewertet, interpretiert das Erlebte auf seinem persönlichen Hintergrund, muss Recht haben und achtet auf das Einhalten von Regeln und Normen. Der Wolf droht und fordert und fühlt sich vor allem im Recht.
  • Die Giraffe in der Kommunikation verschafft sich erst mal einen Überblick, spricht die Sprache des Herzens und achtet auf Gefühle und die dahinterliegenden Bedürfnisse. Sie trennt sehr genau Beobachtung und Bewertung und bittet und wünscht statt zu fordern.

Der Kern des Modells der gewaltfreien Kommunikation ist, dass auf menschliche Bedürfnisse geachtet werden, die Antrieb sind für jedes Verhalten. Bedürfnisse sind unsere Lebensenergie. Hinter den Bedürfnissen stehen Werte, die uns helfen etwas zu tun oder zu vermeiden. Eine Aussage Rosenbergs wurde zu einer Grundannahme der gewaltfreien Kommunikation: „Alles, was ein Mensch jemals tut (oder lässt) ist ein Versuch, sich mindestens ein Bedürfnis zu erfüllen!“ Können Menschen Bedürfnisse, die ihnen in diesem Moment wichtig sind, erfüllen, empfinden sie Gefühle wie: Ich freue mich, fühle mich kraftvoll, bin begeistert, dankbar, lebendig, motiviert, entspannt, verliebt, zuversichtlich.

Wird hingegen ein wichtiges Bedürfnis nicht erfüllt, sind Menschen besorgt, angespannt, sogar ängstlich oder genervt, frustriert, verwirrt, fühlen sich überlastet und unzufrieden, werden aggressiv, sauer und wissen nicht weiter.

Gewaltfreie Kommunikation kann man üben. Dazu gibt es vier sinnvolle Schritte, die wir gehen können, nachdem wir uns in den anderen und in uns selbst eingefühlt haben: Wie nehme ich mich wahr – wie nehme ich den anderen wahr.

  1. Schritt: Ich schildere, was ich wahrnehme: möglichst klar und konkret und als Aussage von mir: „Ich nehme wahr…“, „Bei mir kommt an…“, „Ich sehe, höre, fühle…“
  2. Schritt: Ich beschreibe die Gefühle, die dabei in mir auftauchen: „Ich freue mich…“, „Ich bin ängstlich…“
  3. Schritt: Ich achte auf die Bedürfnisse, die dahinter stehen und benenne sie: „Ich nehme wahr, dass es für mich darum geht, wahrgenommen zu werden.“, „Ich nehme wahr, dass ich gehört werden möchte…
  4. Schritt: Ich äußere von mir aus einen Wunsch oder eine Bitte, zu der sich die andere positionieren kann.

Mehr Giraffen in der Kommunikation erleichtern unseren Alltag in der Familie, im Beruf und auch im Frauenbund. Viel Spaß beim Ausprobieren!

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von Christine Seufert.