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April

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Leben in Unsicherheit

Das Corona-Virus stellt uns moderne Menschen vor eine harte Probe. Es stellt unseren Alltag auf den Kopf, es nimmt uns liebgewonnene Gewohnheiten, vor allem:  Es stürzt uns in Unsicherheit. Wir wissen nicht, wie sich die nächsten Wochen gestalten werden, wir können keine verlässlichen Prognosen abgeben und alle Meldungen des heutigen Tages können morgen schon wieder Makulatur sein. Für uns Menschen, die es gewohnt sind, für alle Eventualitäten Versicherungen oder Sicherungsmechanismen zur Hand zu haben, ist das hart: Wir sind aufgefordert, Unsicherheit auszuhalten und in der Unsicherheit unseren Alltag zu gestalten.

Gerade Selbständige, kleine Firmen und Betriebe, so viele Menschen, die freiberuflich unterwegs sind und nun Einnahmeausfälle zu beklagen haben und sich in ihrer Existenz bedroht fühlen, spüren diese Last der Unsicherheit. Menschen, die selbst zur sogenannten Risikogruppe gehören oder die Angehörige haben, die zu dieser Gruppe gehören, sind mit dieser Unsicherheit und der Angst um liebe Menschen oder um sich selbst konfrontiert. Kinder spüren die Unsicherheit ihrer Eltern.  Daher ist es wichtig, diese Unsicherheit ins Wort zu bringen und ihr Raum zu geben, es ist wichtig, dass diese Unsicherheit sein darf.

Unsicherheit leben und Unsicherheit zulassen heißt jedoch nicht: In Panik verfallen. Ich sehe mit großer Sorge, wie sich Angst und Panik in immer mehr Köpfen festsetzen, wie ein Schreckensszenario dem Nächsten folgt, wie Menschen sich darin gefallen, ohne Not Prognosen abzugeben, die andere in ihrer Angst und Unsicherheit bestärken. Das Virus wird gehen – die Angst und die Panik, die jetzt ausgesät werden, werden in vielen Menschen bleiben. Es ist wichtig, dem entgegen zu wirken.

In den letzten Tagen kommt mir immer mehr Dietrich Bonhoeffer in den Sinn, dieser große Theologe, der im Konzentrationslager die ganze Unsicherheit zu spüren bekam und sie durchleben musste. In dieser Situation dichtete er das Lied:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag“.

Wie können wir Unsicherheit leben und in der Unsicherheit leben? Indem wir uns in Gott bergen, uns ihm anvertrauen. Dieses Vertrauen hat Dietrich Bonhoeffer nicht vor der Hinrichtung bewahrt, es heißt auch nicht, dass es uns unverwundbar macht. Mich in Gott bergen heißt: Er sieht mich, er sieht meine Unsicherheit, auch die Angst, die ich mit mir trage. Er geht diesen Weg mit mir und lässt mich nicht allein. Er will mich zum Leben ermutigen, dazu, auch in diesen Zeiten der Unsicherheit das zu entdecken, was mir Halt und Stütze gibt. Er ermutigt mich, vieles, was bisher selbstverständlich war, in seinem Wert neu zu entdecken und schätzen zu lernen – über die Krise hinaus.

Die Unsicherheit wird uns nicht verlassen, es wird unsere Aufgabe sein, sich ihr zu stellen. Geborgen in der guten Macht Gottes wünsche ich uns die Kraft, beruhigend und mäßigend auf andere Menschen in ihrer Angst und Panik einzuwirken. Und jeden Tag neu anzunehmen in dem, was er uns bringen wird.

 

Pater Jakob Seitz