KDFB

Der Frauenbund bewegt Ökumene

25.05.2019 - An die hundert Frauen und einige Männer waren am Samstagnachmittag ökumenisch unterwegs durch die Regensburger Innenstadt.

Auf Einladung des Katholischen Deutschen Frauenbundes Landesverband Bayern waren sie nach Regensburg gekommen, um den Geschwistern im Glauben zu begegnen und verschiedene christliche Kirchen zu besuchen. Die Frauen kamen aus Regensburg und Umgebung, aus dem Norden und Süden des Bistums, aber auch aus allen Teilen Bayerns. Im Kolpinghaus begann der Pilgerinnenweg. Hier wurden die Teilnehmenden herzlich begrüßt durch die stellvertretende Landesvorsitzende des KDFB, die Regensburgerin Walburga Wittmann, und die Diözesanvorsitzende des KDFB Karin Schlecht. Elke Horsch von der Mennonitengemeinde Schwandorf stellte ihre Glaubensgemeinschaft vor. Der Versammlungsraum der Mennoniten in Burgweinting konnte wegen der Entfernung von der Innenstadt nicht besucht werden. Elke Horsch schilderte ihre Mitarbeit in der christlichen Gemeinde: Die Mennoniten verstehen alle Getauften als berufen und beauftragt, den Glauben zu verkünden und zu feiern. Deshalb könne jede und jeder Gottesdienste leiten, Glaubensgespräch führen und alle Aufgaben in der Gemeinde übernehmen. Wichtig sei es den Mennoniten, die Gesellschaft mitzugestalten und wach dafür zu sein, wo christliche Hilfe gebraucht werde in der jeweiligen Zeit.

Dann machte sich der lange Zug auf den Weg in die Matthias-Kirche in der Ostengasse. Diese ehemals katholische Kirche auf dem Areal der Katholischen Jugendfürsorge wurde der rumänisch-orthodoxen Gemeinde als Gebetsraum zur Verfügung gestellt. Diakon Georg Hahn beschrieb die orthodoxe Kirche: Sie ist unterteilt in selbständige Landeskirchen, die Patriarchate, die jeweils von einem Patriarchen geleitet werden. Der Gottesdienst wird mit viel Gesang gefeiert und verstanden als Empfang für Gott. Dass die orthodoxe Gemeinde jetzt in dieser Kirche zu Hause ist, war an den vielen Ikonen zu sehen, die dort aufgestellt sind. Nach der Rolle der Frauen in der orthodoxen Kirche gefragt, erläuterte Diakon Hahn, diese sei unterschiedlich. Es gebe Patriarchate, in denen die Frauen nicht einmal den Altarraum betreten dürfen, aber auch solche, in denen Diakoninnen geweiht würden. „Wenn wir das Amt der Diakonin einführen, tun wir nichts Neues. Wir lassen wieder aufleben, was es am Anfang der christlichen Kirche schon gegeben hat,“ betonte Hahn.

Von der Matthias-Kirche zog die PilgerInnengruppe zum Dom. Hier beschrieb Hagen Horoba von der katholischen Innenstadt-Seelsorge die Mariendarstellungen im Dom. In der Kathedrale sei Maria immer in Beziehung zu anderen dargestellt: Mit dem lächelnden Engel in der Verkündigungsszene, bei der Begegnung mit Elisabet in einer anrührenden Skulptur beim Ausgang und ihrem Sohn Jesus zugeneigt am Hochaltar. Die Frage Marias „Wie soll das geschehen?“ sei oft auch unsere Frage, wenn wir den Schwierigkeiten des Lebens begegnen und nicht wissen, wie wir sie lösen können. Dann erinnere ein Blick auf Maria daran, dass Gott immer Wege kennt und oft scheinbar Unmögliches wirkt.

In der Neupfarrkirche wartete Sabine Freudenberg vom Kirchenvorstand der evangelischen Neupfarrgemeinde auf die Gruppe des Frauenbundes. Sie beschrieb, wie die Kirche, die den Bürgern und Bürgerinnen Regensburgs gehörte, zur ersten evangelischen Kirche der Stadt wurde. Noch heute werde bei besonderen Feiern der Kelch verwendet, mit dem 1542 das erste lutherische Abendmahl gefeiert wurde. Auch der Ostendorfer-Altar, der ursprünglich in der Neupfarrkirche gestanden hatte, sei ein bedeutendes Zeugnis aus dieser Zeit. Er zeige in Bildern von der Verkündigung des Wortes Gottes, von Taufe und Abendmahl das protestantische „Programm“ des Glaubenslebens und dies mit sichtbaren Verbindungen zur Stadt Regensburg.

An allen Stationen erhielten die Teilnehmenden Impulse zum Nachdenken und Beten. Sie unterhielten sich über die Frage „Was bedeutet für mich Heimat?“, sangen gemeinsam das Lied „Wer glaubt ist nie allein“, dessen Text und Melodie in Regensburg entstanden sind, und beteten um den Heiligen Geist, der die Menschen füreinander öffnet und zur Begegnung führt.

Abschluss und Höhepunkt des Pilgerinnenweges war ein ökumenischer Gottesdienst in der Kassianskirche. Schwungvoll begleitet von der Gruppe „Querbeet“ unter der Leitung von Egon Schießl erklangen die Lieder „Ich möchte gerne Brücken bauen“, „Wenn eine alleine träumt“ und „Miteinander gehn, zueinander stehn“. In diesen Texten wurde noch einmal die Freude an der Gemeinschaft und am gemeinsamen christlichen Glauben deutlich, die den ganzen Nachmittag geprägt hatte. Ein Text aus dem Matthäus-Evangelium bildete den Mittelpunkt der Feier. An dieser Stelle des Neuen Testament wird erzählt, dass Jesus die dringende Bitte einer heidnischen Frau zunächst nicht erhörte und dass diese Frau Jesus mutig und klug widersprach. Fünf Frauen aus verschiedenen Konfessionen legten die Begebenheit aus und freuten sich über das Vorbild der hartnäckigen Frau, die schließlich von Jesus gelobt wurde für ihren unbeirrbaren Glauben. Der Gottesdienst war unter der Leitung von Dr. Elfriede Schießleder vorbereitet worden von den Frauen des Kompetenzforums Glaube und Kirche im KDFB Landesverband.

Die stellvertretende Landesvorsitzende Walburga Wittmann dankte auch den theologischen Referentinnen Regina Ries-Preiß vom Landesverband und Birgitt Pfaller vom Diözesanverband des KDFB für die Vorbereitung und Organisation des ökumenischen PilgerInnenweges.

Karin Schlecht, Diözesanvorsitzende des KDFB im Bistum Regensburg, freute sich am Ende des Pilgerinnen-Nachmittags darüber, dass so viele Frauen und Männer der Einladung nach Regenburg gefolgt waren. „Wir möchten derzeit verstärkt aufmerksam machen, was die Mitglieder des Frauenbundes bewegt, zusammen zu kommen und sich zu engagieren. Mit der Kampagne „bewegen“ soll deutlich werden, dass der KDFB vieles anstößt und weiter bringt. Dieser Nachmittag war wirklich bewegend! Ich meine, durch die erlebte Gemeinschaft ist die Ökumene ein Stück gewachsen und vertieft worden.“

Text: Birgitt Pfaller, Bildungsreferentin beim KDFB Diözesanverband Regensburg
Bilder: KDFB/Anne Granda

Impressionen vom Ökumenischen PilgerInnennachmittag am 25. Mai 2019 in Regensburg