KDFB
21.11.2017

Treffen mit KDFB Kaffee-Produzentinnen

Dalila Aguilar, Gisela Niklas-Eiband und Dolores Benitez (von links nach rechts) freuten sich über ihr Wiedersehen und den Austausch.

Zwei Kaffeeproduzentinnen der Landfrauenorganisation APROLMA (Asociación de Productoras Libres de Márcala) aus Honduras besuchten im Herbst Freunde und Kunden in Deutschland. Sie wurden vom Weltladen Marburg eingeladen, weil sie für den dortigen Elisabethkaffee ebenfalls den Rohkaffee anbauen. KDFB Bildungsreferentin Gisela Niklas-Eiband traf die beiden Gäste Dalila Aguilar und Dolores Benitez bei einer Veranstaltung, in der sie über die Auswirkungen des Klimawandels in Lateinamerika referierten.

„Die weltweiten Klimaveränderungen sind in den Kaffeeregionen Honduras besonders intensiv spürbar, was besondere Herausforderungen für uns Kaffeebäuerinnen bedeutet", so Dolores Benitez. Immer höhere Temperaturen bewirken, dass die Niederschlagsmengen zurückgehen, die Kaffeepflanze langsamer wächst und früher blüht. Falls dann auch noch eine Dürreperiode hinzukommt, dann sinken die Erträge merklich. Zusätzlich kommen noch vermehrter Pilzbefall an den Kaffeepflanzen, erhöhtes Waldsterben und ein zunehmender Ungezieferbefall hinzu. Im Jahr 2012 mussten, durch den starken Befall der Kaffeefelder mit Kaffeerost, 90 Prozent der Pflanzen vernichtet werden. Die biologische Bewirtschaftung der Fincas macht die Pflanzen allerdings resistenter.

Um die Produktivität zu gewährleisten, müssen sich die Fincas intensiv und langfristig auf die Klimaveränderungen vorbereiten. Im Einzelnen bedeutet dies: Kaffeefelder müssen in höhere und kühlere Regionen verlegt werden, Gemüse und Gräser als Bodendecker gepflanzt und die biologische Vielfalt (auch mit Tierhaltung) muss erweitert werden. Nach der Ernte müssen alle restlichen Kaffeekirschen von den Böden aufgesammelt werden, damit sich der Schimmelbefall nicht weiter ausbreiten kann.

Die beiden Frauen erzählten auch, wie schwierig es sei, Kredite zu bekommen, um eigenes Land zu erwerben. Nur ein Prozent der Frauen in Honduras besitzen überhaupt einen Landtitel. Die Landfrauenorganisation APROLMA prangert diese ungerechten Zustände an und setzt sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Gesellschaft und Politik ein. Der Zugang zu Bildung ist den Mitgliedern und deren Kindern ein großes Anliegen. Wer lesen kann, gehört zur privilegierten Bevölkerungsschicht. Die Regierung unterstützt solche Vorhaben nicht. Ein Traum der Kaffeebäuerinnen ist daher, eine eigene Schule zu gründen.

Auf die Frage nach ihrer persönlichen Lebenssituation betonte Dalila Aguilar ausdrücklich: „Ohne die Absatzmöglichkeit im fairen und solidarischen Handel könnten wir keinen Kaffee produzieren, weil hier die Einnahmen um ca. 40 Prozent höher sind, als im konventionellen Kaffeehandel.“
Über die Produktion von Kaffee hinaus haben 14 Frauen, die größtenteils auch Mitglieder von APROLMA sind, die Frauenorganisation MUJALE gegründet (Mujeres Emprendedoras al Éxito). Diese Organisation versteht sich als Produktionsgemeinschaft, die Aloe Vera anbaut und daraus Gel herstellt, um es zu Creme, Shampoo, Saft und Kompott weiterzuverarbeiten oder zu verkaufen. Auch Früchte werden zu Marmeladen, Saft und Wein verarbeitet und verkauft. Dadurch verbessert sich das Familieneinkommen zusätzlich.

Dalila Aguilar und Dolores Benitez bedankten sich ausdrücklich für die beständige Unterstützung, insbesondere auch durch die Frauenbundfrauen in Deutschland.