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Gesundheit! Gedanken in Zeiten des Corona-Virus

Seit mehreren Wochen leben wir in und mit der Coronapandemie. In diesen Wochen hat sich mir der Satz „Gesundheit ist das Wichtigste“ sehr eingeprägt. Sämtliche Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Krise gipfeln immer wieder in diesem Satz: „Gesundheit ist das Wichtigste“. Und Gesundheit meint: körperliche Gesundheit.

Nun ist die körperliche Gesundheit tatsächlich ein hohes Gut, etwas, das sich jeder für sich selbst und für die Anderen wünscht. Nur ist sie nicht die einzige Gesundheit: mit ihr einher gehen die Gesundheit der Psyche und die Gesundheit der Seele, die wiederum Gesundheit in den Beziehungen oder im Umgang mit sich selbst benötigen. Auch diese Formen der Gesundheit sind ein hohes und schützenswertes Gut. Deshalb berührt es mich sehr, dass die körperliche Gesundheit über alle anderen Formen von Gesundheit dominiert. Damit sie bewahrt bleibt, wird in Kauf genommen, dass andere Weisen der Gesundheit Schaden erleiden. Wie viele – gerade ältere, aber nicht nur ältere – Menschen sitzen alleine in ihren eigenen vier Wänden und werden von Tag zu Tag einsamer, weil sie keinen Besuch der Familie erhalten dürfen: Körperlich gesund – und einsam. Wie viele Menschen in den Altersheimen und Krankenhäusern sind durch die Maßnahmen zwar einigermaßen geschützt – und dürfen keinen Besuch empfangen: Körperlich gebrechlich – und einsam. Wie viele Kinder leiden unter häuslichen Konflikten, darunter, ihre Freundinnen und Freunde nicht mehr sehen zu dürfen: Körperlich gesund – und sehr verunsichert. Weil alles der körperlichen Gesundheit untergeordnet wird, kann es geschehen, dass die Seele Schaden nimmt. Was sich auf den Körper auswirken kann.

Und nein: ich habe kein Patentrezept im Umgang mit dieser Pandemie. Es geht mir auch nicht darum, Politikerinnen und Politiker und deren Pläne zu kritisieren. Auch weiß ich, wie schwer Krankheiten Menschen treffen können – und es gibt ja neben Corona noch andere Krankheiten, die die körperliche Gesundheit bedrohen. Es geht mir um eine gesellschaftliche Haltung, die körperliche Gesundheit über alles andere stellt. Dem kann ich nur wenig abgewinnen. Denn Gesundheit ist nicht nur die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen. Gesundheit lebt von Beziehungen, von einer Atmosphäre der liebenden und wertschätzenden Annahme. Und wie wohltuend und gut ist es gerade in der Krankheit, wenn Menschen da sind, die zu einem halten und einen mittragen. Wie wohltuend und hilfreich kann es sein, sich in einem Netz von Beziehungen aufgefangen zu wissen, zu spüren, dass Menschen hilfreich an der Seite stehen. All das ist zurzeit nicht möglich.

Wir gehen in den Marienmonat Mai. Maria, die Mutter Jesu, lädt uns ein, mit ihrem Leben unser eigenes Leben zu betrachten. Und Maria sagt uns mit ihren Lebenserfahrungen zu:

  • Gott ist Ihnen nahe. Seine Nähe stärkt, tröstet und bewahrt vor Verzweiflung. Und an Situationen, die zum Verzweifeln waren, ist das Leben Mariens reich.
  • Sie sind von Gott bedingungslos geliebt, diese Liebe muss sich niemand „verdienen“. Sie hängt auch nicht am Status der körperlichen Gesundheit. Die Erfahrung dieser Liebe lässt Maria das Magnificat singen und durch alles Leid hindurch an Gott festhalten.
  • Gott lässt niemanden fallen. An dieser Verheißung hält Maria über den Tod Jesu am Kreuz hinaus fest. Und diese Verheißung gilt auch uns.

Der Mai lädt uns ein, dass wir uns im Rosenkranzgebet und in den Maiandachten im Gebet verbinden und einander stärken.

Ich wünsche Ihnen für diesen Monat Mai neben der körperlichen Gesundheit auch die Gesundheit für Ihre Seele, die Gesundheit in all Ihren Beziehungen. Denn körperliche Gesundheit ist wichtig – sie ist aber oft nur zu haben im Einklang mit allen anderen Gesundheiten.

P. Jakob Seitz
Geistlicher Diözesanbeirat

 

Foto: © Kranich 17 ‒ pixabay.com