KDFB

Maria 2.0 - Gedanken und Einschätzungen

Liebe Frauenbund-Frauen im Diözesanverband Regensburg,

die Aktion „Maria 2.0“ hat in den letzen Wochen viele Reaktionen in der Presse, in Predigten und Gesprächen ausgelöst. Auch wir im KDFB Diözesanverband Regensburg haben zahlreiche Anrufe, Briefe und Mails erhalten. Im Diözesanverband Regensburg haben wir über die Aktionen von Frauen in den letzten Monaten zwar berichtet, aber nicht selbst zu Aktionen oder Protesten aufgerufen. Deshalb wurden wir von vielen Mitgliedern gefragt: „Warum tut ihr nichts? Wie lange wollt ihr noch schweigen?“ und hörten: „Ich bin enttäuscht!“ Für uns stand an erster Stelle die Aufgabe, unseren Frauenbund zusammen zu halten, auch wenn es gerade in der Frage der Weihe für Frauen ganz unterschiedliche Meinungen gibt. Es gab eben auch die andere Reaktion von Mitgliedern bis hin zu dem einen und anderen Austritt.

Als Frauen in der Kirche stehen wir hinter der Idee und den Forderungen von „Maria 2.0“, wie es unsere KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth ausdrückt: „Es geht dem KDFB darum, zu zeigen, wie viel uns Evangelium und Kirche bedeuten. Uns liegt eine zukunftsfähige und geschwisterliche Kirche am Herzen, in der Frauen und Männer als Getaufte und Gefirmte in gleicher Weise Verantwortung übernehmen und gleichberechtigt sind“. Mit vielen (Frauenbund-) Frauen in Deutschland wünschen auch wir im KDFB Diözesanverband Regensburg uns eine Kirche, die Zukunft hat, weil sich die Menschen mit ihren vielfältigen Lebens- und Glaubensgeschichten ihr zugehörig fühlen können.

Wir haben uns mit den Forderungen der Aktion „Maria 2.0“ auseinandergesetzt und teilen Ihnen gern unsere Gedanken und Einschätzungen mit:

✘ Wer in der Kirche Missbrauch begangen oder vertuscht hat, soll sein Amt verlieren. Wer Missbrauch begangen hat, verliert sein Amt – diese Forderung ist bereits erfüllt. Ob auch ein Vertuscher das Amt verlieren muss, sollte zumindest diskutiert werden, damit die Vertuschung auch als Straftat innerhalb der Kirche verstanden wird.

✘ Die Kirche soll mutmaßliche Täter an zivile Gerichte übergeben und mit Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten. Das geschieht leider weltweit nicht überall und es ist auch in Deutschland leider noch nicht sichergestellt, dass es in allen Diözesen geschieht. In unserer Diözese ist diese Forderung wohl erfüllt – unser Bischof Rudolf ist da sehr konsequent.

✘ Frauen sollen Zugang zu allen Ämtern der katholischen Kirche erhalten. Es gibt viele Theologinnen und Theologen, die kein theologisches Hindernis sehen, Frauen zum Weiheamt zuzulassen. Sogar kirchliche Amtsträger sagen, sie könnten sich die Weihe von Frauen vorstellen. Die Auseinandersetzungen um dieses Thema werden oft sehr hart geführt und können viel Glaubensfreude, Engagement und Verbundenheit mit der Kirche zerschlagen – auf allen Seiten, die sich dafür oder dagegen stellen. Deshalb meinen wir, dass Frauen als Diakoninnen in der Kirche, auch in der Liturgie und in der Spendung von Sakramenten, sichtbar werden sollen. So könnten sie ihre Charismen einsetzen und das kirchliche Leben prägen und bereichern. Manche Menschen lehnen ab, was sie nicht kennen. Sie sollen Gelegenheit haben, Frauen in kirchlichen Ämtern kennen und dann auch akzeptieren oder gar schätzen zu lernen. Grundsätzlich wünschen wir uns schon, dass es irgendwann in der Ämterfrage „nicht mehr männlich und weiblich gibt“ (Gal 3,28).

✘ Das Pflichtzölibat soll aufgehoben werden. Priester sollen sich für ihre Lebensform frei entscheiden können. Wenn es neben den zölibatären Priestern auch verheiratete Männer im Priesteramt gäbe, würde dies unserer Ansicht nach die Vielfalt der Begabungen in der Kirche fördern ohne den Zölibat zu beschädigen.

✘ Die Sexualmoral der Kirche soll sich an der Lebenswirklichkeit der Menschen ausrichten. In diesem Bereich gibt es noch viel zu tun. Das beginnt bei einer größeren Wertschätzung des Leibes und endet bei der Wertschätzung homosexueller Menschen.

Liebe Frauenbund-Frauen, wir bitten Sie alle, in diesem wichtigen Thema weiterhin mit uns und miteinander im Gespräch zu bleiben. Vor allem: Sprechen wir uns gegenseitig nicht die Verbindung und die Treue zur Kirche ab. Wir alle suchen einen guten Weg, auf dem es weiter gehen kann und auf dem Gottes Nähe
in der Welt erfahren werden kann.

Ihre Vorstandschaft des KDFB Diözesanverband Regensburg